Ist eine Sicherung von Ladung nach oben im Container notwendig?

Ist eine Sicherung von Ladung nach oben im Container notwendig?

Vertikale Ladungssicherung in Containern

Vertikale Ladungssicherung in Containern

Inhaltsverzeichnis

Die Frage nach der vertikalen Ladungssicherung in Containern gehört zu den meistdiskutierten Themen in der Transportbranche. Während bei LKW-Transporten die Sicherung nach oben selten zur Debatte steht, herrscht bei Containertransporten oft Unklarheit über die Notwendigkeit zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen gegen die Containerdecke. Die Antwort ist nicht pauschal zu geben und hängt von verschiedenen physikalischen und praktischen Faktoren ab.

Physikalische Grundlagen: Container vs. LKW-Transport

Der fundamentale Unterschied zwischen Container- und LKW-Transport liegt in den unterschiedlichen Beschleunigungskräften, die auf die Ladung wirken. Während ein LKW auf vorgefertigten Straßen fährt, bewegt sich ein Containerschiff auf einem sich ständig bewegenden Untergrund.

Beschleunigungswerte im Vergleich

Bei Straßentransporten gelten folgende Standardwerte:

  • Horizontale Längsrichtung: 0,8 g
  • Horizontale Querrichtung: 0,5 g
  • Vertikale Richtung nach unten: 1,0 g

Für Containertransporte auf Schiffen sind die Werte anders:

  • Horizontale Beschleunigungen bis zu 0,8 g beim Rollen
  • Vertikale Beschleunigung reduziert auf 0,2 g beim Stampfen

Auswirkungen auf die Reibkraft

Diese unterschiedlichen Beschleunigungswerte haben direkte Auswirkungen auf die verfügbare Reibkraft. Bei einer Tonne Ladungsgewicht und einem Reibbeiwert von 0,3 ergibt sich:

LKW-Transport: 0,3 × 1,0 × 1t × 10m/s² = 300 daN Reibkraft
Container-Transport: 0,3 × 0,2 × 1t × 10m/s² = 60 daN Reibkraft

Die Reibkraft reduziert sich also auf ein Fünftel, was erhebliche Auswirkungen auf die Ladungssicherung hat.

CTU-Code und rechtliche Rahmenbedingungen

Der CTU-Code (Code of Practice for Packing of Cargo Transport Units) gibt zwar genaue Beschleunigungswerte vor, lässt jedoch die Frage der vertikalen Sicherung weitgehend offen. Die Richtlinie definiert Belastbarkeiten für verschiedene Containerteile, gibt aber keine explizite Empfehlung für die Sicherung nach oben.

Belastbarkeit der Containerdecke

Der CTU-Code setzt für die Containerdecke eine maximale Belastung von 300 kg auf einer Fläche von 60×30 cm fest. Dies entspricht einem Druck von nur 0,16 kg/cm², was bei unsachgemäßer Anwendung von Staupolstern schnell überschritten werden kann.

Wann ist eine Sicherung nach oben notwendig?

Kritische Faktoren

Eine vertikale Sicherung wird notwendig bei:

  1. Lücken im Laderaum: Kleine Lücken zwischen Packstücken können sich bei Rollbewegungen zu einer großen Lücke auf einer Seite summieren
  2. Lose gestapelten Gütern: Waren wie Fässer, die sich nicht lückenlos formschlüssig stauen lassen
  3. Unzureichendem Formschluss: Wenn die Ladung nicht fest gegen die Containerwände abgestützt ist

Das Problem der Winkelbeschleunigung

Die Beschleunigung innerhalb eines Containers hängt vom Abstand zur Rollachse des Schiffes ab. Je weiter eine Ladung von der Rollachse entfernt ist, desto größer sind die wirkenden Beschleunigungskräfte. Da der Versender keinen Einfluss auf die Stauposition des Containers auf dem Schiff hat, muss dies bei der Sicherungsplanung berücksichtigt werden.

Formschluss vs. Kraftschluss: Die bessere Alternative

Formschlüssige Sicherung als Lösung

Die beste Methode zur Containersicherung ist die formschlüssige Stauung. Dabei wird die Ladung so angeordnet, dass alle Lücken zwischen den Packstücken und zu den Containerwänden geschlossen werden.

Vorteile der formschlüssigen Sicherung:

  • Unabhängig von Reibkraftverlusten
  • Kein zusätzlicher Platzbedarf
  • Kostengünstige Umsetzung
  • Keine Beschädigung der Containerstruktur

Kraftschlüssige Methoden

Wenn Formschluss nicht möglich ist, kommen kraftschlüssige Methoden zum Einsatz:

  • Direktzurren mit Zurrgurten
  • Niederzurren zur Erhöhung der Anpresskraft
  • Staupolster zur Kompensation von Leerräumen

Risiken beim Einsatz von Staupolstern an der Containerdecke

Strukturelle Risiken

Der Einsatz von Staupolstern gegen die Containerdecke birgt erhebliche Risiken:

  1. Verformung der Decke: Bereits bei geringem Innendruck können Staupolster die schwach konstruierte Containerdecke aufwölben
  2. Reparaturkosten: Verformungen können zu kostspieligen Reparaturen führen, die der letzte Nutzer trägt
  3. Druckübertragung: Darüberliegende Container können mit ihrem Eigengewicht Schäden an der darunter befindlichen Ladung verursachen

Praktische Empfehlungen für die Containersicherung

Prioritätenliste für die Sicherung

  1. Formschlüssige Stauung: Lückenlose Anordnung der Ladung mit Kompensation aller Freiräume
  2. Seitliche Abstützung: Nutzung der Containerwände und Zurrösen für horizontale Sicherung
  3. Kraftschlüssige Ergänzung: Nur wenn Formschluss nicht möglich ist
  4. Vertikale Sicherung: Nur in Ausnahmefällen und unter Beachtung der Deckenstabilität

Geeignete Hilfsmittel

Für die professionelle Containersicherung stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung:

  • Staupolster: Für horizontale Lückenschließung zwischen Packstücken
  • Zurrgurte: Für kraftschlüssige Sicherung mit Zurrösen
  • Kantenschutz: Zum Schutz der Ladung und Zurrmittel
  • Container-Netze: Für die Rückhaltesicherung zur Tür

Fazit

Eine Sicherung der Ladung nach oben im Container ist nicht grundsätzlich notwendig, kann aber in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass durch die reduzierten vertikalen Beschleunigungen im Seetransport die Reibkraft erheblich abnimmt.

Die beste Lösung ist die formschlüssige Stauung: Wenn die Ladung lückenlos gestaut wird und alle Freiräume kompensiert werden, ist eine zusätzliche Sicherung nach oben überflüssig. Nur bei losen Gütern, die sich nicht formschlüssig stauen lassen, oder bei unvermeidbaren Lücken sollte eine vertikale Sicherung in Betracht gezogen werden.

Beim Einsatz von Staupolstern gegen die Containerdecke ist Vorsicht geboten. Die geringe Belastbarkeit der Decke kann zu kostspieligen Schäden führen. Professionelle Beratung durch Ladungssicherungsexperten ist daher unerlässlich.

Wir empfehlen unseren Kunden vorrangig formschlüssige Lösungen und setzen kraftschlüssige Methoden nur ergänzend ein, wenn dies technisch notwendig ist. Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass die meisten Transportschäden durch unzureichende horizontale Sicherung entstehen, nicht durch fehlende vertikale Maßnahmen.

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Wann ist eine Ladungssicherung nach oben im Container wirklich notwendig?

Eine vertikale Sicherung ist nicht grundsätzlich erforderlich, da die Beschleunigungskräfte bei Containertransporten deutlich geringer sind als bei LKW-Transporten. Die Sicherung nach oben wird nur notwendig, wenn unvermeidbare Lücken zwischen Packstücken entstehen oder lose gestapelte Güter wie Fässer transportiert werden, die sich nicht formschlüssig stauen lassen. Bei optimaler formschlüssiger Stauung ist eine zusätzliche Deckensicherung überflüssig.

Welche Beschleunigungskräfte wirken auf die Ladung im Container?

Im Seetransport wirken andere Kräfte als im Straßenverkehr. Während bei LKW-Transporten vertikale Beschleunigungen von bis zu 1,5 g auftreten, reduzieren sich diese bei Containerschiffen auf nur 0,2 g beim Stampfen. Die horizontalen Beschleunigungen durch Rollen können jedoch bis zu 0,8 g erreichen. Diese reduzierten vertikalen Kräfte führen dazu, dass die verfügbare Reibkraft auf ein Fünftel abnimmt, was die horizontale Sicherung umso wichtiger macht.

Was ist der Unterschied zwischen Formschluss und Kraftschluss bei der Containersicherung?

Formschlüssige Ladungssicherung bedeutet, dass die Ladung lückenlos verstaut ist und direkt am Containerwänden anliegt. Dies ist die beste und kostengünstigste Methode der Containersicherung. Kraftschlüssige Sicherung hingegen erhöht durch Niederzurren die Reibungskraft zwischen Ladung und Containerboden. Bei Formschluss sind die Sicherungskräfte unabhängig von der reduzierten Reibkraft im Seetransport, weshalb diese Methode bevorzugt werden sollte.

Wann sollte ich Zurrgurte statt Staupolster verwenden?

Zurrgurte sind die bessere Wahl bei schweren Einzelstücken, die kraftschlüssig gesichert werden müssen. Sie eignen sich besonders für Maschinentransporte oder wenn formschlüssige Stauung nicht möglich ist. Staupolster hingegen sind ideal zum Ausfüllen von Lücken und für die formschlüssige Sicherung leichterer Waren. Die Kombination beider Methoden bietet optimale Sicherheit: Zurrgurte für die Grundsicherung schwerer Teile und Staupolster zum Schließen verbleibender Lücken. Bei der Anwendung von Zurrgurten müssen die Zurrwinkel zu den Laschösen so gewählt werden, dass die Sicherungskraft parallel zu den Containerwänden optimal wirkt.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Containersicherung?

Die häufigsten Fehler umfassen unzureichende Vorbereitung, falsche Beladung und das Übersehen von Lücken zwischen Packstücken. Viele Verlader unterschätzen die Wichtigkeit der gleichmäßigen Lastverteilung und verwenden Staupolster nicht sachgerecht. Ein weiterer kritischer Fehler ist die Verwendung von Staupolstern gegen die Containerdecke ohne Berücksichtigung der geringen Belastbarkeit von nur 300 kg auf 60×30 cm. Mangelnde Kenntnis der CTU-Code-Vorschriften führt ebenfalls zu unsachgemäßer Sicherung.

Wie hoch sind die Kosten für professionelle Containersicherung?

Die Kosten für Containersicherung sind überschaubar im Vergleich zu möglichen Transportschäden. Staupolster kosten je nach Größe zwischen 3-12 Euro pro Stück, während Zurrgurte für Container ab 25 Euro erhältlich sind. Eine professionelle Sicherung kostet typischerweise 50-200 Euro pro Container, während Transportschäden schnell mehrere tausend Euro erreichen können. Investitionen in qualitätsgeprüfte Sicherungsmittel nach VDI 2700 und CTU-Code zahlen sich durch vermiedene Schäden aus.

Welche rechtlichen Konsequenzen drohen bei mangelhafter Containersicherung?

Die Haftung für unzureichende Ladungssicherung liegt primär beim Verlader, nicht beim Fahrer. Nach § 22 StVO ist der Verlader für die verkehrssichere Verstauung verantwortlich. Bei Schäden oder Unfällen durch mangelhafte Sicherung können erhebliche Schadensersatzforderungen, Bußgelder und bei Personenschäden sogar strafrechtliche Konsequenzen folgen. Die Verantwortung kann nicht auf den Fahrer übertragen werden, sondern verbleibt beim Anordnungsbefugten oder der Geschäftsleitung.

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